Einfache Sozialsysteme – situationsgebundene Interaktionen

21. Mai 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Dieser Artikel soll ein weiteres soziales Gefüge bestehend aus einer kleinen bestimmbaren Anzahl  von Individuen einführen: Einfache Sozialsysteme (in konstanter Anlehnung an Niklas Luhmann [Lit.: siehe unten]).

Wie auch im Fall der Sozialen Gruppe handelt es sich um eine bestimmte Interaktionsstruktur von nur wenigen Mitgliedern, welche als solche identifiziert werden können. Das heißt, es handelt sich hierbei auch nicht um eine anonyme miteinander in irgendeiner verwobenen Form indirekt miteinander agierenden Menschen, sondern die jeweiligen Personen befinden sich im direkten Kontakt. Sie kennen sich also, beziehungsweise können sich gegenseitig als Teil dieser bestimmten Interaktion benennen. Jedoch handelt es sich bei Einfachen Sozialsystemen um einfache, situationsgebundene Interaktionen. Zur Erinnerung: Soziale Gruppen dagegen zielen auf einen länger andauernden kontinuierlichen Kommunikations- und Interaktionsprozess ab. Einfache Sozialsysteme haben also eine relativ kurze zeitliche Dimension und sind an eine bestimmte Situation gebunden, nämlich an die, innerhalb deren sie stattfinden.

Bricht nun diese Situation auf, wird sie also beendet, endet auch das Einfache Sozialsystem. Die Systemtheorie (eine bedeutende weit über die Soziologie hinausgehende Denkströmung) geht davon aus, dass sobald Individuen einander wahrnehmen können, sich Soziale Systeme ausbilden. Was ist damit gemeint? Ein Soziales System besteht aus Interaktionen, welche einem bestimmten systemeigenen Code folgen und sich dadurch von der Umwelt abgrenzen. Beispielsweise führt die Wissenschaft den Code wahr / unwahr, das heißt alles was in der Wissenschaft verhandelt wird, lässt sich mithilfe dieses Codes sortieren. Im Rechtssystem wäre das entsprechend Recht / Unrecht. Soweit verständlich? Daher interessiert es beispielsweise einen Wissenschaftler nicht, ob seine Forschung moralisch bedenklich ist oder nicht. Er überprüft nur Hypothesen auf deren Wahrheitsgehalt. Inwieweit diese Forschung moralisch bedenklich ist, wird im System Ethik verhandelt. Praktisch hat sich beispielsweise eine Ethik-Kommission etabliert und befragt aktuelle Forschungen nach dem Code moralisch / unmoralisch.

Einfache Sozialsysteme haben demnach eigene spezifisch angebbare Eigenheiten von Struktur und Verhalten.  Sie haben also eine bestimmte Art von Selektion und damit eine bestimmte Ordnung sowie eine Grenze zur Umwelt. Dazu noch ein Beispiel: Zwei Individuen bemerken sich gegenseitig in einer Bar. Sie nehmen einander war und finden womöglich das gegenüber interessant und anziehend. Nun versuchen beide sich möglichst positiv und ansprechend darzustellen und gleichzeitig die Bindung zum Gegenüber zu verfestigen und (hoffentlich) ein Gespräch zu beginnen. Sie stimmen also ihr Verhalten aufeinander ab und schaffen dadurch eine ganz eigene Interaktionsstruktur. Die anderen Menschen in der Bar sind dabei womöglich ausgeblendet. Sie beginnen eine Unterhaltung, machen Scherze, versuchen sich kennen zu lernen. Tritt nun eine Bedienung an den, mittlerweile gemeinsam gepachteten, Tisch, wird plötzlich diese ganz eigene Interaktionsstruktur gebrochen und gestört. Warum nimmt man dies nun als Störung wahr?

An diesem Beispiel erkennt man schon die spezifischen Eigenheiten von Einfachen Sozialsystemen. 1) Es herrscht ein gleichzeitiger Ablauf von Wahrnehmungsprozessen und thematisch konzentrierter Kommunikation (Sie reden von Angesicht zu Angesicht über sich gegenseitig). 2) Die Interaktionsgeschichte wird selbst zur Struktur („Als du vorhin sagtest, du hättest dieser Tage ein wenig Pech, was meintest du damit?“). 3) Es herrscht ein wenig differenziertes Umweltverhältnis (sie haben nichts mit den anderen im Raum zu tun und sind nur mit sich selbst beschäftigt, alle anderen sind graue Masse). 4) Zur Steuerung der Interaktion werden moralische Ebenen benutzt (sowas kann man doch nicht beim ersten Kennenlernen fragen…). 5) Es herrscht eine geringe Abstraktionsleistung sowie Systemreflektion („was haben wir nicht schon alles zusammen erlebt“).

Kommt nun ein Außenstehender hinzu (in diesem Fall die nun lästige Bedienung), hat diese keine Ahnung von der bisher abgeleisteten Interaktionsstruktur und damit vom System selbst. Daher zerbricht es und es liegt an den beiden Protagonisten, den dünnen Faden wieder aufzunehmen und die Bedienung wieder ins Grau der uninteressanten Umwelt zu verschieben.

Gehen die beiden auseinander am Ende des Abends, ist die Situation vorbei und das System beendet. (Sie haben natürlich die Möglichkeit des Wiedersehens und damit die Schaffung eines System höherer Ordnung.)

Andere Beispiele für Einfache Sozialsysteme wären: eine flüchtige Begegnung; ein kurzes Gespräch zwischen Tür und Angel; eine stumme gemeinsame Fahrt in der Bahn; das gemeinsame Warten an der Ampel

 

 

Literatur: Luhmann, N. (1972): Einfache Sozialsysteme, in: Zeitschrift für Soziologie, 1: 51-65.

Überlegungen zum Unfall bei Wetten, dass… ? und seiner Rezeption im Web 2.0

5. Dezember 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Da ist ein Unfall passiert.

Man könnte meinen dieser Satz ist so alltäglich wie etwa „Da ist die Sonne aufgegangen“. Denn jeden Tag geschehen Unfälle. Mal Enden sie in einer Lapalie, mal sind sie weitaus tragischer. Doch sie geschehen und meist hört man über viele Ecken davon oder sieht noch den Unfallwagen oder liest davon in der Zeitung. Das Besondere in diesem Fall ist jedoch, dass über 8 Millionen Menschen dabei waren. Zugeschauen haben. Denn der Unfall war Live auf Sendung zur Samstagabends-Primetime in einer der beliebtesten Sendungen im deutschen Fernsehen: Wetten, dass… ?

Der Unfall schockierte vor allem in seiner Heftigkeit und, man möge mir verzeihen, Vorhersagbarkeit. Das ZDF reagierte angemessen und richtete den Blick nicht direkt auf das Geschehen, sondern bewies Professionalität und Pietät.

Interessant war jedoch wie schnell und umfassend die Berichterstattung anderer Medien über das Ereignis war. Die Social Media Welt wurde überrannt mit Berichten, Links, News, Gebeten, Bestürzungsbekundungen und dergleichen. Jeder wollte der erste sein, der beispielsweise bei Twitter diese Nachricht verbreitet. Für Viele sicherlich Ausdruck des Schocks, des gerade Gesehenen. Um sich mitzuteilen, Gefühle zu teilen und das Geschehene zu verarbeiten. Das ist durchaus verständlich. Der eine oder andere wollte sicherlich auch tatsächlich informieren. Auch das ist durchaus verständlich.

Doch daran sieht man auch wie repetitiv Social Media sein kann. Jeder schreibt das gleiche, retweetet andere. Und das drängt mir die Frage auf: Ist Social Media also Ausdruck der Befindlichkeit? Oder doch nur eine Blase aus repetitiven, aufmerksamkeitheischenden Stichworten?

So schlimm der Unfall nun auch ist, bietet doch gerade dieser Samstagabend unheimlich interessantes Material diese Welt zu untersuchen und wiederum darüber zu berichten. Letztendlich ist dieser Beitrag also auch nur ein Teil dieser Blase? Über Sinn und Unsinn lässt sich vortrefflich streiten. Doch interessant ist es allemal.

Kurz ein paar allgemeine einführende Worte zur Netzidentität

23. September 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Man ist im Netz unterwegs, fährt die Datenautobahn, surft. Dabei trifft man nicht nur auf Knotenpunkte, Zeichen, Daten, sondern eben auch auf Menschen. Doch wer verbirgt sich hinter den Worten, die Ihnen da am Bildschirm erscheinen? Wollen Sie das wirklich wissen?

Falls ja, sind Sie dann auch bestrebt Ihre eigene Identität preiszugeben?

Das ist insgesamt eine schwierige Frage. Warum? Das versuche ich hier kurz ein wenig zu erläutern. Durch die Computer vermittelte Kommunikation (cmc = computer mediated communication) sieht man zwar die Worte des Gegenübers, jedoch nicht diesen selbst. Nun könnte man meinen, dass sich ein Mensch durch seine Taten ausdrückt, also eben auch durch seine Worte, welche Gedanken und Gefühle beschreiben können. Aber, und da wird es knifflig, entspricht das durch die Worte gemalte Bild tatsächlich dem Menschen der sie verfasst? Ein großes Potential der Täuschung könnte man hier vermuten.

Beispiele für diese Konstruktion einer Netzidentität oder virtuellen Identität sollten Sie auch schon mal begegnet sein. Am auffälligsten wohl in einem mmorpg. Oder in einem Chat mit einem Fremden, der Ihnen von sich erzählt.

Doch gehen wir einen Schritt weiter. Wenn denn jeder eine Identität im Internet erst konstruiert, das heißt speziell für das Netz oder sogar für bestimmte Dienste und Seiten ein Ich entwirft, haben wir es mit einer anonymen Masse im Internet zu tun. Denn dann gäbe es keinerlei gesicherten Rückgriff auf die Ich-Identitäten der Personen, also eine Art Sicherheit, dass man über die Zeit hinweg tatsächlich immer wieder mit derselben Person interagiert. Ob das nun erstrebenswert ist oder nicht sei an anderer Stelle geklärt. Es ist aber zu beobachten, dass Dienste wie Facebook, StudiVZ, MySpace, Twitter, Youtube und dergleichen, also sogenannte Social Networks, von Beginn an erhebliche Wachstumszahlen aufweisen. Die Menschen suchen sich also Orte, wo sie eben gerade ihre eigene persönliche Identität darstellen können. Die Frage nach dem Warum drängt sich hier auf, kann aber auch nicht an dieser Stelle geklärt werden.

Halten wir also fest: Es gibt unzählige Angebote, wo Menschen sich im Internet darstellen können und damit der Anonymität entgegentreten. Gleichzeitig ist auch vermehrt in den letzten Jahren die Diskussion nach Datenschutz. Und das zu Recht. Denn alles war einmal im Internet gelandet ist entzieht sich der eigenen Kontrolle. Der Grund hierfür ist die Offenheit des Internets. Denn potentiell jeder kann potentiell alles lesen oder anschauen, was veröffentlicht wurde. Und hier kommt wieder die Frage auf: Möchte man das?

Natürlich ist es verständlich das bestimmte persönliche Informationen geschützt bleiben sollten. Außerhalb des Netzes erzählt man doch auch nicht gleich jedem jedes Detail seines Lebens und seiner Innenwelt. Jedoch bringt es gewisse Vorteile, wenn man sich ein wenig darstellt und den anderen zeigt, mit wem sie es hier zu tun haben. Beispielsweise kann man so durch den Lebenslauf dokumentieren, dass bestimmte Informationen reliabel sind, man das entsprechende Fachwissen vorweisen kann.

Doch entsprechen diese persönlichen Informationen über die Identität des Gegenübers der Realität? Das kann keiner mit Sicherheit überprüfen. Hier kommt die Medienkompetenz ins Spiel, also das Vermögen mit dem Internet und anderen Medien umgehen zu können. Sie ist mittlerweile unerlässlich und wird doch kaum von der Gesellschaft explizit gefördert. Beispielsweise stellt auch Pishing eine Form des Missbrauchs einer Netzidentität dar. Sollten Sie nicht wissen was sich dahinter verbirgt sind wir genau beim Thema.

Zur weiterführenden Lektüre empfehle ich den Klassiker zum Thema Netzidentität:
• Sherry Turkle „Leben im Netz: Identität in Zeiten des Internets“

Die Soziale Gruppe – eine kleine Einführung in die Soziologie

29. Mai 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Für den ersten inhaltlichen Post, finde ich es mehr als angebracht gleich mitten hinein ins Thema zu langen und erst einmal zu klären, was ich unter Virtuellen Gruppen verstehe. Das soll zum einen Basis schaffen für das weitere Fortschreiten des Blogs und zum Anderen bleiben sicherlich / hoffentlich genügend Fragen offen, welche Ausgangspunkt für Anregungen und Hinweise der Leser sein können.

Um der Frage nachzugehen was Virtuelle Gruppen sind, sollte ich jedoch erst einmal klären was die Soziologie unter Gruppen, genauer: Sozialen Gruppen, versteht. Damit soll dann später besser erkennbar werden, welchen Besonderheiten und Schwierigkeiten sich eine Definition von Virtuellen Gruppen gegenübersieht. Daher hier vorerst sozusagen ein kleiner Grundkurs in Soziologie.

Gehen wir zu diesem Zweck noch ein Stück weiter zurück zur, wenn man so will, kleinsten Einheit im menschlichen Beisammensein: der Sozialen Beziehung. Das klingt zunächst banal, jedoch muss man zunächst die kleinsten Einheiten definieren, um später den größeren Rahmen erklären zu können.

Wann spricht man also von einer Sozialen Beziehung? Wenn man näher darüber nachdenkt, ist diese Frage schwieriger als sie anfangs scheint. Max Weber gibt hier eine Antwort:

Soziologisch spricht man also von einer Sozialen Beziehung, wenn die Chance besteht, dass mindestens zwei Menschen sich wechselseitig auf das Gegenüber sinnhaft in ihrer Handlung beziehen. Versuchen wir ein Beispiel: wenn ein Mensch eine Handlung ausführt und diese mit einem bestimmten Sinn verbindet (also nicht nur einfaches in die Luft schauen, sondern schauen ob der Himmel Anzeichen für baldigen Regen bietet), ein anderer Mensch hinzukommt und ihn fragt, ob der Grillabend heute noch stattfinden kann, dann entdecken wir als Beobachter eine Soziale Beziehung. Denn in diesem Beispiel führen beide Beteiligten sinnhafte Handlungen aus, welche sich auf die sinnhafte Handlung des anderen beziehen (sie werden über das Wetter und den Grillabend sprechen). Weber selbst gibt hier folgende Beispiele: „Kampf, Feindschaft, Geschlechtsliebe, Freundschaft, Pietät, Marktaustausch, »Erfüllung« oder »Umgehung« oder »Bruch« einer Vereinbarung, ökonomische oder erotische oder andre »Konkurrenz«“

Beruhen nun diese Sozialen Beziehungen auf gefühlter Zusammengehörigkeit bezeichnet Weber diese als Vergemeinschaftung. Der Begriff selbst zeigt an, dass damit ein Prozess gemeint ist, also nur solange stattfindet wie Soziale Beziehungen vorhanden sind, sprich die Chance auf die wechselseitig auf sich bezogenen Handlungen besteht. Werden die Sozialen Beziehungen aufgrund eines rationalen Interessenausgleichs geführt, dann bezeichnet Weber diese als Vergesellschaftung. Der Unterschied müsste nun klar sein. Es ist auch ein schönes Gedankenspiel, um in das Wesen der Soziologie einzuführen, wenn man sich mal fragt, wo Vergemeinschaftung und Vergesellschaftung denn nun tatsächlich vorzufinden sind. Beim Public Viewing? Boxkampf? Aktienmarkt? Theatervorstellung? Bushaltestelle? Kuss? EU?

Der Begriff der Sozialen Gruppe wurde bereits früh in die Soziologie eingeführt und bildet eine sehr spezifische Situation ab. Notwendig für das Bestehen einer Sozialen Gruppe sind mindestens drei Personen, welche direkt in Beziehung stehen. Bernhard Schäfers gibt hierzu eine schöne Definition:

  • „Eine soziale Gruppe umfasst eine bestimmte Zahl von Mitgliedern (Gruppenmitglieder), die zur Erreichung eines gemeinsamen Ziels (Gruppenziel) über längere Zeit in einem relativ kontinuierlichen Kommunikations- und Interaktionsprozess stehen und ein Gefühl der Zusammengehörigkeit (Wir-Gefühl) entwickeln. Zur Erreichung des Gruppenziels und zur Stabilisierung der Gruppenidentität ist ein System gemeinsamer Normen und eine Verteilung der Aufgaben über ein gruppenspezifisches Rollendifferential erforderlich.“ B. Schäfers (Hrsg.): „Einführung in die Gruppensoziologie. Geschichte – Theorien – Analysen“, Wiesbaden 1999, S. 20f.

Die Mitglieder gehen also einem gemeinsamen Gruppenziel nach (Grillfest). Davon leitet jedes Mitglied für sich ein Verhaltensmotiv ab (schön essen, Gemeinsamkeit feiern, einen angenehmen Abend verbringen). Außerdem besteht ein Wir-Gefühl, das heißt ein Zusammengehörigkeitsgefühl, welches gleichzeitig in Fremdgruppe und Eigengruppe unterscheiden lässt (wir als die Griller und die anderen als Passanten/Nicht-Griller/Nicht-Zu-Uns-Gehörende). Das Verhalten und die Interaktion innerhalb der Gruppe unterliegt dabei bestimmten Regeln und Normen (fröhlich sein, nicht gewalttätig werden, jeder bringt etwas mit). Und für das Gelingen des Gruppenziels sind zudem noch aufeinander bezogene soziale Rollen notwendig (der Grillmeister, die Essenden, der Musikverantwortliche, der Organisator, die Gäste). Die Gruppe ist damit so etwas wie ein Bindeglied zwischen dem eigenen individuellem Handeln und der Gesellschaft. Man kann dabei in verschiedenste Gruppen involviert sein: einer Familie, einer Klasse, einer Fußballmannschaft, einer Clique usw. Insgesamt ist die Soziale Gruppe sehr gut geeignet um soziale Grundphänomene zu untersuchen und zu verdeutlichen.

Ich hoffe diese kleine theoretische Einführung war nicht zu trocken und hat etwas zum nachdenken angeregt. Des Weiteren hoffe ich, dass damit nun etwas klarer ist, dass man nicht einfach so von einer Gruppe sprechen kann, nur wenn Menschen aufeinander treffen. Vielmehr müssen bestimmten Notwendigkeiten gegeben beziehungsweise beobachtbar sein. Von daher stellt sich nämlich die Frage ob denn im Internet überhaupt Soziale Gruppen möglich sind und wenn ja wo und warum nicht?

der erste post

17. Mai 2010 § 4 Kommentare

Wenn sie sich hierher verirrt haben oder, was mich natürlich noch viel mehr freut, gezielt diesen Blog besuchen, scheint auf sie die virtuelle Vergemeinschaftung, also die Bildung und Aufrechterhaltung von Gemeinschaften im ortslosen Raum des Internets, eine ebenso große Faszination auszuüben wie auf mich.

Die Idee für diesen Blog kam mir bereits während des Schreibens meiner Magisterarbeit, welche sich mit „Motivationalen Grundlagen für die Erbringung von Dienstleistungen in Internetforen“ [Grin-Verlag] beschäftigte. Dort ging ich der Frage nach, warum in Internetforen Dienstleistungen in Form von Hilfestellungen, Anleitungen und Problemlösungen erbracht werden ohne dass eine direkte Gegenleistung erfolgt.

Als Soziologe interessieren mich natürlich soziale Prozesse, also alle sich aus der Wechselwirkung von menschlichen Verhaltensweisen ergebenden sozialen Tatbestände (E. Durkheim), im Allgemeinen und persönlich solche, welchen man im Internet begegnet. Nun muss man leider feststellen, dass sich entweder die Soziologie nicht wirklich traut oder es einfach noch an genügend hinreichend reliablen Analysemitteln mangelt soziale Tatbestände im Internet zu untersuchen. Jedenfalls steckt meiner Meinung nach die soziologische Erforschung des Internets und seiner Phänomene noch in den Kinderschuhen. Von daher kam es mir in den Sinn einen Blog dem Thema Virtuelle Gruppen zu widmen und hier mein bescheidenes Wissen zu teilen und somit gleichsam ein Teil des Untersuchungsgegenstands zu werden. Denn gleichzeitig versuche ich natürlich damit mein Wissen zu vermehren und mehr über die vielschichtigen Möglichkeiten und Phänomene des Internets zu lernen. Kommentare, Hinweise und Anregungen seitens der Leserschaft sind damit ausdrücklich erwünscht.

Ziel soll also sein, der geneigten Leserschaft meine persönlich soziologische Sichtweise der Prozesse im Internet und Social Media im Speziellen näher zu bringen, Phänomene zu beschreiben und ganz Allgemein das Feld der Virtuelle Gruppen zu beleuchten. Dabei soll sich dieser Blog nicht nur an Soziologen, sondern vor allem auch an das „fachfremde“ interessierte Publikum richten.

Ich werde mich dabei an eine möglichst klare Struktur und auch Sprache halten und möglichst vermeiden in ein Fachkauderwelsch zu verfallen. Vielleicht wird auf diesem Wege auch etwas Verständnis und Interesse an der Soziologie an sich vermittelt.

Da dies mein erster Blog ist, wird sicherlich auch erkennbar sein, dass ich mich erstmal in das Medium selbst einarbeiten muss.

In diesem Sinne wünsche ich viel Spass bei der Lektüre!